Freitag, 10. Juni 2011

Seine Wespe

'Es ist das Ende einer Ära wie sie schöner nicht hätte sein können. Danke für alles.'


So stand es Montag bei Twitter und bei Facebook und ich glaube niemand wusste wirklich, was sich dahinter verbirgt. Deswegen möchte ich das nun mit euch teilen.

'Opa, du musst mir aber noch mindestens 2 Bilder malen!' So oder so ähnlich hörte man es öfter aus meinem Munde wenn ich nach einem langen Tag bei Oma und Opa wieder nach Hause fuhr. Meist hatten Opa und ich dann den Nachmittag damit verbracht in Malbüchern zu malen. Wachsmalstifte waren immer unser Handwerkszeug, diese, die man unten drehten konnte. Jeder malte still vor sich hin, unter jedes Bild kam dann der passende Name. Ich weiß noch das Opa gelb sehr gerne mochte, ohne geld wirkte das Bild so unlebendig. Als es am nächsten Tag wieder zu Opa und Oma ging, war ich immer sehr neugierig welche Bilder er sich ausgesucht hatte. Welche es letztendlich waren, spielte keine Rolle. Er hatte sein Versprechen gehalten und das jedes einzige mal.

'Es gibt aber nur ein Teil, so wie immer.' Mir wird sein Platt Deutsch irgendwie fehlen, indem er immer gesprochen hat. Ich mag den 'Dialekt'. Das sagte er immer zu mir wo ich noch kleiner war und wir zusammen in den nahegelegenen Supermarkt fuhren. Ich als verwöhntes (ja das muss man leider sagen) Kind, kannte das eigentlich nicht, aber bei Opa hielt ich mich immer dran. Die Wahl fiel mir auch nicht schwer. Entweder es gab ein Überraschungsei oder mein geliebtes 'Mäuseeis'. Ich weiß nicht mehr was es für ein Eis war, aber es war am Stiel und sah aus wie ein großes Stück Käse. Ich habe es geliebt.

'Dann müssen wir noch beim Rex vorbei. Hast du auch die Kekse?' Ich kann mich nur noch sehr Wage an unsre täglichen Spaziergänge erinnern. Aber ich weiß das wir unsre feste Route hatten. Von unserm Haus ins Dorf, am Einkaufszentrum vorbei zum Fluss und zu unseren Enten. Die wollten schließlich ihr täglich Brot haben. Die Fische haben wir auch beobachtet. Wenn ich an einem Tag besonders durstig war gings noch zum Supermarkt um meine Flasche zu füllen, meist gab es Apfelsaft. Es ging dann weiter, ich saß übrigens noch im Kinderwagen, zu Rex. Rex war ein Hund eines Bekannten, der auf dem Rückweg wohnte. Wir haben immer an der Straße angehalten, er saß angebunden vor der Haustür, zwischen uns ein sicherer Abstand. Er bekam immer meine Lieblingskekse, so Orangenkekse von Bahlsen (glaub ich). Die sind rund und ich liebe sie noch heute. Nachdem wir auch Rex zufriedengestellt hatten, gings wieder nach Hause.

Einmal hatten wir einen dicken Streit. Ich weiß noch das Opa in der Garage auf der Leiter stand und ich auf meinem Traktor saß...irgendwie wollte er wieder von der Leiter runter, aber ich stand im Weg und er wäre fast gestolpert. Er hat mich angebrüllt, was er sonst nie tat. Ich weinte und redete kein Wort mehr mit ihm. Ich weiß nicht mehr wie lange der Streit dauerte, aber irgendwann kam der Tag wo alles wieder gut war. Ich kann mich nur noch an gefüllte Lebkuchenherzen erinnern...

Opa setzte sich gerne mit mir hin und erzählte mir von der Welt.
Von ihm habe ich meine Liebe zu Tieren und meinen großen Wissensdrang.
Von ihm weiß ich wo welches Land liegt weil wir uns oft zusammen mit dem Globus hingesetzt haben. Opa kannte auch immer eine passende Geschichte.
Er kaufte mir auch oft Panini Sticker für Tieralben, die wir immer gemeinsam eingeklebt haben.
Er hat den Hasenstall für meinen ersten Hasen, Bommel, gebaut.
Er hat sich stundenlang mit mir, meinem Bruder und meinem Cousin draußen beschäftigt. Hat ein Baumhaus für uns gebaut, hat uns das Fahrrad fahren beigebracht.
Er hat mich auch gerne auf den Arm genommen und ich bin jahrelang drauf rein gefallen.
Er hat mich von der Schule abgeholt wenn Mama wieder länger arbeiten musste, meist an einem Montag. 
Er nannte mich immer 'seine Wespe'.

Auch aus dem Krieg hat er immer viel erzählt. Spannende Sachen wie ich finde, immerhin war er bei der Marine, war in Afrika, bin er irgendwann angeschossen wurde und der Krieg für ihn damit 'beendet' war. Ein glatter Durchschuss am rechten Arm, weswegen dieser immer eingeschränkt war. Das hat ihn aber trotzdem nicht davon abgehalten sein Leben erfolgreich zu leben.

Es gibt glaub ich nichts, was er nicht für uns getan hat.
Opa war einfach immer mein Held.

Als Oma 2004 starb (sie war die beste Oma der Welt!), war das heimeliche Gefühl aus dem Haus weg, das es nur in einem Haus mit Oma gibt. Nachdem man 5 Jahre dort gewohnt hat und auch danach noch fast täglich dort zu Besuch war, war dieses Gefühl einfach weg.
Als am Montag Opa starb, ist das Haus nur noch ein Geisterhaus. Als wär die Nabelschnur zu diesem Haus einfach durchgeschnitten worden.

Opa war nach einem Schlaganfall schon länger pflegebedürftig und krank, also war es abzusehen, das es irgendwann passieren würde.
Ich war also drauf vorbereitet. Natürlich tut es weh, das er nicht mehr da ist, genau wie damals bei Oma. Aber ich bin ein komischer Mensch, was Trauer angeht.
Ich weine nicht.
Ich bete nicht.
Ich glaube auch nicht an einen Himmel.
Aber ich weiß, das Opa und Oma immer bei mir sind, egal wo sie jetzt sind. Und ich werde sie immer lieb haben.

Denn wie heißt es so schön: Man soll nicht weinen, weil sie fort sind. Sondern sich freuen, das es sie gegeben hat. Und bei solch einer wunderschönen Kindheit die sie mir beschert haben, freue ich mich umso mehr.

Kommentare :

  1. Mein Beileid, tut mir leid um deinen Opa. Ich hoffe du kommst darüber hinweg und ich wünsch dir viel Kraft.

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  2. Na toll.. und bei deinen letzten Worten bin ich schon beinahe am heulen..
    Es tut mir so Leid Süße.. Ich weiß dass jeder mit Tauer anders umgeht. Ich wünsche dir das du den richtigen Weg der Trauer findest und dich immer so schön wie du es hier niedergeschrieben hast an deine Großeltern und vor allem deinen Großvater erinnerst.

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  3. Mein aufrichtiges Beileid, ich kann es gut nachempfinden, wie du dich fühlst...
    Sehr schöne Erinnerungen, die du hier niedergeschrieben hast... sie berühren mich sehr.
    Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit.

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